Beim Thema Windpark zögert die Politik


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Beim Thema Windpark zögert die Politik ERNEUERBARE ENERGIEN Chancen für Agri-Photovoltaik — Gutachten der Landwirtschaftskammer als Basis VON WERNER FADEMRECHT GEMEINDE HATTEN - Die Wissenschaft ist sich längst einig: Deutschland und die Welt müssen schnellstmöglich weg von den fossilen Energieträgern. Beschleunigt wird der erzwungene Prozess durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die nicht zu übersehenden zunehmenden Wetterextreme. Am Mittwochabend hat der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt darüber beraten, was die Gemeinde auf diesem Gebiet künftig beitragen kann oder will. Der Anlass ist nicht aus der Luft gegriffen. Nach NWZ-Informationen haben erst vor kurzem Investoren im nichtöffentlichen Teil der Ratsgremien ihr Interesse am Errichten eines weiteren Windparks nahe Kirchhatten bekundet. „Mit uns nicht mehr" Basis der aktuellen Beratungen war ein Antrag des Teams Hatten, der auf eine Anpassung der Flächennutzungsplanung abzielt und ein besonderes Augenmerk für den Ausbau der Windenergie fordert. Dabei zeigte sich, dass die Erfahrungen mit der Planung des bislang einzigen Windparks an der Hatter Landstraße, Anfang bis Mitte der 2010er Jahre, bis heute bei vielen Ratsmitgliedern nachwirken. „Mit uns nicht mehr", so der SPD-Ratsherr und Ausschussvorsitzende Axel Brammer. Man werde Beschlüssen des Umweltministeriums auch um den Frieden in der Bevölkerung zu halten — nicht vorgreifen. Möglicherweise, so Brammer, werde die künftige Planung nämlich den Landkreisen übertragen. Blick von einer der Windkraftanlagen an der Hatter Landstraße BILD: TORSTEN VON REEKEN Für die FDP erinnerte Ratsfrau Petra Schütte-Lange, dass ihre Partei schon damals gegen einen Windpark in der Mitte der Gemeinde gewesen sei. Auch die Hatter Grünen- Fraktion will beim Thema Wind nicht aufs Tempo drücken. „Wir stehen dem nicht ablehnend gegenüber, aber sollten es auf uns zukommen lassen", so Fraktionsvorsitzender Johannes große Beilage. Adolf Oltmann (CDU) plädiert dafür, „nicht mit Gewalt vorzupreschen" und lieber bei laufenden Planungen, z. B. in der Nachbargemeinde Dötlingen, interkommunal einzusteigen. Walter Schleef (Team Hatten) hält Abwarten dagegen für die schlechteste Option. Die Gemeinde verliere damit ihre eigenen Gestaltungsoptionen. Chancen für Solarenergie Dass es am Ende der Diskussion trotz der eindeutigen Redebeiträge zu einem Patt in der Abstimmung — und damit der denkbar knappsten Ablehkam, lag an einem nung — Grund. Der Team-Hatten-Antrag schloss auch die vordringliche Beratung sogenannter Agri-PV-Anlagen, also Photovoltaik u. a. auf landwirtschaftlichen Flächen ein. Der Gemeinde liegen in einer Größenordnung von unter vier Hektar mittlerweile einige Anträge vor. Unter den Zuhörern verfolgten mehrere Antragsteller die Diskussion. Ihre Chancen dürften deutlich besser sein. Das gilt zumindest für diejenigen, die die öffentlich noch nicht bekannten Kriterien eines Gutachtens erfüllen, das die Landwirtschaftskammer für die Gemeinde erarbeitet hat. Man wolle möglichst bald Beschlüsse fassen, versprach Bürgermeister Guido Heinisch im Gespräch. Anträge liegen vor Zurzeit liegen der Verwaltung Anträge für Flächen vor, die sich auf 28,5 Hektar addieren. Als Grundlage für ein Gesamtkonzept, das konkrete Vorhaben regelt, sollen u. a. der Abstand von Wohnbebauung — wegen möglicher Spiegelungen Naturschutzaspekte und der Flächenverlust für die Landwirtschaft genommen werden. KOMMENTAR Werner Fademrecht über die kommunale Klimapolitik Abzuwarten reicht nicht aus D ie Zeit drängt, weil die Natur nicht auf uns wartet. Die Gletscher schmelzen immer schneller. Deutschland leidet unter Dürren und trocknet, wie Satelliten-Daten internationaler Hydrologen dokumentieren, langfristig aus. Wissenschaftler warnen, dass in acht Jahren bereits Kipppunkte im komplexen System des Weltklimas unumkehrbar überschritten werden könnten. Angesichts dieser Fakten müsste der Ausbau an Photovoltaik- und Windkraftanlagen eigentlich absoluten Vorrang genießen, denn auf elektrisches Licht, Wärme und Elektro-Mobilität werden nur die wenigsten in Zukunft verzichten wollen. Gleichzeitig müssen unsere Emissionen schon bis 2030 auf nur noch 55 Prozent der von 1990 sinken, um Kurs auf die für 2050 angestrebte Treibhausgasneutralität zu halten. Im Umweltausschuss des Hatter Gemeinderates hat sich die überwältigende Mehrheit am Mittwochabend dennoch dagegen ausgesprochen, das Thema Windenergie freiwillig anzupacken. Viel zu viel Ärger habe die Planung für den einen Windpark an der Hatter Landstraße verursacht, so das Hauptargument. Lieber will man jetzt abwarten, was sich die große Politik und die übergeordneten Behörden überlegen oder ob halt Investoren sich einzuklagen versuchen. Machen wir uns nichts vor: Es wird viele Kommunen geben, in denen das Meinungsbild ähnlich aussieht. Doch eines ist klar: Mit dieser Einstellung wird die Energiewende scheitern. @ Den Autor erreichen Sie unter Fademrecht@infoautor.de



